Am 25.10 fand eine Demonstration der Bürgerinitiative „NEIN zur Politik - JA zur Hilfe“ statt. Inhaltlich äußert sich die Initiative kritisch zu den neu entstehenden Unterkünften in Neugraben, welche laut ihrer Informationen zwischen 4000 und 7000 Geflüchtete aufnehmen sollen.

Die Demonstration, mit ca. 1000 Teilnehmer_innen, fiel schon Anfangs durch Fehlen sämtlicher parteipolitischer, beziehungsweise politischer, Symbolik auf.
Es gab keinerlei „Refugees Welcome“-Schriftzüge oder irgendeine Art der Solidarität mit Geflüchteten.
Einzig der Name der Initiative, der Spruch „Ghetto hier nicht mit mir!“ und Variationen waren zu lesen.

Die Bürger_innen als auch die eindeutig vertretenen Rechtsradikalen (es sind bekannte Gesichter aufgetaucht mit Kleidungsstücke von einschlägigen Labels) verhielten sich bis auf wenige Ausnahmen ruhig. Einzig ein Megafon vorneweg wiederholte das Mantra „Nein zur Politik - Ja zur Hilfe“ und verteilte Trillerpfeifen bereiteten den Kindern offensichtlich großen Spaß.

Während ich beim Fotografieren schon von einem wütenden Mann angerempelt wurde (ich war deutlich als Zecke zu erkennen) versuchten zum Ende Ordner_innen die Linken, welche vom Hamburger Bündnis gegen Rechts kamen, die Demonstration am Rand beobachteten und zeitweise Informationszettel verteilten, zum Gehen zu bewegen. Sie wollten weder Linke noch Rechte auf ihrer Demonstration haben.
Doch selbst eine solche bürgerliche Mitte zeigt ihr ideologisches Gesicht, wenn eine Bürger_in im Interview davon erzählt, dass sie ja in Deutschland geboren, dies deswegen ihre Heimat und sie für die Bewahrung ebendieser auf der Straße sei - kein Wort zu den Geflüchteten und Solidarität mit diesen. Dieser O-Ton hat es nicht in den Beitrag von Hamburg1 geschafft, doch zeigt sich bei den restlichen Interviews ein ähnliches Bild.

Die Heuchelei bei offensichtlich mehreren Rechten auf der Veranstaltung, welche erst am Ende auf Grund von Parolen zum Gehen gebeten wurden, und keinerlei Solidarität mit Geflüchteten machte das „JA zur Hilfe“ zur Farce.
Die Veranstaltung war eindeutig rechts offen, durchdrungen von kleinbürgerlicher Ideologie und ebnet den Weg für zukünftige auch offener rechte Veranstaltungen. Während politische Symbolik dieses mal, vielleicht auch mit Kalkül, weggelassen wurde, ist ein Aufbrechen der Zurückhaltung zu erwarten, wenn die Linke in Hamburg weiterhin solche Demonstrationen akzeptiert und keinerlei Präsenz in angemessener Weise zeigt.
In Neugraben hätte es wunderbare bunte Aktionen mit Transparenten und Vorwürfen an die heuchlerischen Besorgten geben können.

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