Der 1. Teil auf unserem Blog zu Earthships

Aber wie sieht es denn nun aus mit Earthships in Deutschland?
Bereits durch die aufmunternde Antwort der Baubehörde beflügelt machte ich mich daran weiter zu lesen und zu planen. Es dauerte dabei aber nicht lange bis ich auf Ungereimtheiten stieß.
Earthship Biotecture schien jedenfalls zu Zeiten als die Bücher geschrieben wurden, alles was für die autarken Elemente des Earthships benötigt wurde (Wasser- und Stromsystem) anzubieten.
Der Anspruch eines für alle Menschen einfach nachbaubaren Systems wurde damit nicht mehr gewährleistet. Auch die Preise im Online-Shop der US-Firma fallen für den angepriesenen offenen Umgang mit Know-how doch etwas hoch aus. Mit ~3000€ für einen Plan, der ein sogenanntes Studiomodell beinhaltet und generell seltsam nach Größe des eigentlichen Gebäudes gestaffelten Preisen, wirkte der Shop auf mich doch eher profitorientiert als auf das Wohl der Menschen und der Natur ausgerichtet. Nach einer Erklärung ringend könnte ich mich noch ausmalen, dass hierbei davon ausgegangen wird, dass sich die Kunden die die größeren Gebäude bauen auch mehr zur Verfügung haben. Damit die Firma die Einnahmen in Projekte im Ausland oder in die Forschung fließen lassen kann.

Ich ließ die Geschichte eine Weile ruhen und konzentrierte mich auf anderes, war mir aber relativ sicher, mir in Zukunft ein kleines autarkes Wohnhaus bauen zu können.
Es war mein Vater der mich nach einiger Zeit darauf hinwies, dass es Probleme mit Earthships gebe. Ich hatte mich was Medienkompetenz angeht nicht gerade mich Ruhm bekleckert, den er hatte Berichte aus den Wikipedia Belegen durchgeschaut und war dabei auf diesen Bericht gestoßen.
Das machte mich erneut skeptisch, wieso hatte es über diese Probleme mit der Thermal Mass und Feuchtigkeit und Schimmel in Mittel- und Nordeuropa keine Stellungnahmen von den Erfindern gegeben? Wieso wurde mir und anderen in Europa rückhaltlos das Earthship von der Firma empfohlen?

Ich suchte den Kontakt zu den europäischen Gruppen und merkte schnell das alle Ableger wie auch die neuere Flagship Bewegung die sich als Abteilung zur Weiterentwicklung versteht nicht mehr allzu aktiv zu sein schien. Nicht zuletzt wurde ich durch seltsame selbst ablehnende Bilder bestätigt.

Eine scheinbar neuere Gruppe die sich etwas von dem für heiß und trockene Gebiete entworfene Earthship entfernte und auf tieferen Ebenen der Entwicklung anzusetzen schien, wirkte auch nicht sonderlich aktiv, sodass ich nicht einmal mehr in die Facebook-Gruppe aufgenommen wurde.

Abschließend kann zu Earthships in kälteren Breitengraden gesagt werden, dass dieses Schiff wohl erst einmal gesunken ist. Doch nichtsdestotrotz halte ich die Idee für sehr wertvoll in den bereits erprobten Regionen. So könnten auch moderne Bewegungen wie die in Rojava solche Ideen adaptieren um umweltfreundlicher und autarker Leben zu können.

Ich habe außerdem meine Preisberechnung aktualisiert, dabei kam unter folgender Kalkulation heraus, dass:

  • bei einem Baupreis von 225$ pro Quadratfuß in den USA 225$ * 9 (3³ sf -> m²) = 2025$ pro m² sind
  • sprich ~1822€ (2025$ * 0.9 (USD -> EURO Wechselkurs))
  • bei ~2399€ pro m² Durchschnittskosten im US Hausbau und ~1400€ pro m² deutschen Hausbau ergibt sich ein Faktor von 1.7
  • bei einem ~2000€ pro m² Earthshipbau in den USA fallen also nach 2000/1.7 ~1177€ pro m² in Deutschland an, davon noch immer im konventionellen Hausbau 50 % Materialkosten

Bis diese Konzepte jedoch für Europa angepasst sind sollten sich andere Regionen daran erfreuen und wir uns auf andere Ideen wie das Mietshäusersyndikat (Artikel folgt) konzentrieren.

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