Frieden ist Krieg,

Freiheit ist Sklaverei

und Unwissenheit ist Stärke.

Dies ist die Parteiparole aus dem Buch-Klassiker 1984 von George Orwell.

1984 - Eine Utopie?

Diese Frage kam mir, als ich die Reaktionen auf den Terroranschlag in Paris hörte. Die CSU ist nun der Meinung, dass die Vorratsdatenspeicherung der richtige Schritt sei, um so etwas in Zukunft zu verhindern. Davon mal abgesehen, dass die Vorratsdatenspeicherung ein Weg ist, die Bürgerrechte und die Freiheit an sich zu beschneiden, hat sie bisher auch noch keinen größeren Nutzen gebracht, siehe die Anschläge auf Charlie Hebdo. In Frankreich ist die Vorratsdatenspeicherung tatsächlich bereits vorhanden und sie trug, offensichtlich, zur Verhinderung nicht bei. Zudem wurde die Vorratsdatenspeicherung bereits für verfassungswidrig erklärt.

Die Vorratsdatenspeicherung ist jedoch nur ein kleiner Schritt, der in der sukzessiven Aushebelung der Freiheit und Bürgerrechte seinen Teil beiträgt. Für eindrucksvollere Maßnahmen müssen wir nach Amerika schauen.
Bei der Einreise in die USA, wird man bereits in Deutschland von der Ausländerbehörde der USA angehalten und muss Fragen beantworten. Zugegebenerweise ist das so nicht richtig: es muss selbstverständlich nichts beantwortet werden, es sei denn der Wunsch ist tatsächlich in die USA einzureisen. Nun in den USA ist auch das Leben und Arbeiten nicht möglich ohne Überwachung. Bei vielen Arbeitsstellen steht im Arbeitsvertrag, dass der Arbeitgeber einen überwachen darf. Libertäre würden nun selbstverständlich anmerken, man könne dann natürlich den Arbeitgeber wechseln, denn im freien Markt setzt sich schließlich der mit den besten Arbeitsbedingungen durch. Problem: fast alle machen das, wenn der Beruf nicht gerade Straßenfeger ist wird es also schwer zu überleben.

Doch zurück zum Thema. Woher kommt nun dieser Überwachungswahn? Das ist relativ einfach erklärt. Bei einem Terroranschlag wird verkündet, zusammen mit Trauer, dass eine großflächige Überwachung diesen hätte verhindern können und das nun, zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus, die Freiheit leider eingeschränkt werden müsse. Praktisch dabei ist, dass dieselben Leute, die dies verkünden, die Zügel in der Hand halten, wenn es darum geht im Nahen Osten zu intervenieren beziehungsweise wie dort weiter gekämpft wird. Dass der Terror durch die chirurgische Kriegsführung (um die 90% der Opfer sind Zivilisten) den Terror nur anheizt, als ihn effektiv zu bekämpfen, sollte weithin bekannt sein. Vereinfacht heißt das, dass die Leute die am Hebel sitzen, der die Anzahl der Terroristen regelt, nun darüber reden die Freiheit einzuschränken, weil es zu viele Terroristen gibt.

„Freiheit ist Sklaverei“. Die Bevölkerung muss quasi selbst die Freiheit hassen, denn so lassen sich ohne Proteste oder Gegenwehr die Beschneidung dieser durchdrücken. Nach dem 11. September war dies der Fall, die Leute haben quasi nach mehr Überwachung geschrien. Interessant wird dies besonders, andere Fälle in den USA auftauchen, die die Freiheit beschneiden. Angeblich wird dies durch Obama Care getan. Mit einer gesetzlichen Krankenversicherung, die billiger und sicherer ist als die privaten, wird nun jeder Amerikaner versichert. Dies ist nicht freiwillig und das stößt den Republikanern auf, wahrscheinlich ist dies nicht der Fall, weil es die Freiheit beschneidet, sondern weil es gegen Obama verwendbar ist und auch in das Sozialistenbasching, der Republikaner passt. Herunter gebrochen heißt dies: Wenn es um die massive Beschneidung der Freiheit geht, egal ob verfassungswidrig (patriot act) oder nicht, ist es durch Terrorismus legitimierbar, wenn es aber darum geht, ein bisschen soziales zu tun, von dem eigentlich jeder Bürger nur profitiert, dann ist dies Sozialismus und gehört verboten, da dort die Freiheit massiv eingeschränkt wird.

„Frieden ist Krieg“. Schon einmal aufgefallen, dass in den Nachrichten ständig von Krieg die Rede ist. Dieser findet zwar real statt, jedoch nicht für uns. Wir führen Krieg in anderen Ländern, sodass die Zivilbevölkerung nur in anderen Ländern um ihr Leben fürchten muss. Denn welcher Deutsche stimmt einem Krieg zu, wenn er selbst miterlebt hat was Krieg bedeutet? Wenn nun aber Krieg als Standard etabliert ist, dann verbindet der Durchschnittsbürger keine allzu negativen Gefühle mit Krieg, wenn nicht sogar positive, denn so wie Rambo durch den Dschungel rennen, Leute töten, ist dann doch irgendwie auch cool.

„Unwissenheit ist Stärke“. Hier müssen wir schon tiefer graben, um dass an die heutige Welt anzupassen. Im Gegensatz zu 1984 würde ich hier nicht von „Doppeldenk“ etc. sprechen, sondern über die Akzeptanz der Ignoranz. Ein kleines Beispiel: Schon einmal mitbekommen, dass wenn sich Leute über Mathematik aufregen, häufig Sätze fallen wie „Das konnte ich noch nie.“ und dann als Antwort kommt „haha, Ich auch nicht.“, dann kommen Phrasen wie „Ich brauchte noch nie Stochastik.“ oder „Das meiste braucht man eh nie“. Ich persönlich interessiere mich für Mathematik und habe nicht zuletzt deswegen auch das mathematisch-naturwissenschaftliche Profil gewählt. Dort ist der Konsens, dass Mathematik Spaß macht und spannend ist. In anderen Profilen ist ganz klar das Gegenteil der Fall. Dort ist der Hass auf Mathematik Grund-Konsens. Die Dummheit ist dort akzeptiert, der Mathematikinteressierte ein sozialer Außenseiter. Wenn Dinge wie Nerd oder Streber Beleidigungen sind und der Dumme sozial akzeptierter ist als der Kluge, dann wird Unwissenheit zur Stärke. Hier sind Reformen am Schulsystem notwendig, um den Hass von der Schule und somit von der Bildung zu nehmen.

Der letzte Punkt, der an 1984 erinnert ist die Konzentration von Macht. Das in Amerika keine demokratischen Verhältnisse mehr herrschen sollte allgemein bekannt sein. Eine Regierung, die nur aus den Reichsten 1 % besteht, und das plötzliche Auftauchen von Kandidaten, von denen kaum einer jemals etwas gehört hat und ein zwei Parteiensystem, wo sich beide auf den tot nicht leiden können, wobei die Unterschiede kleiner sind als die zwischen CDU und CSU. Das hat mit Demokratie wenig zu tun. Die Macht in den United States ist nicht erst seit kurzem bei den reichen Eliten und Unternehmen. Man kann von einer Finanzoligarchie sprechen, die meiner Ansicht nach der Kapitalkonzentration des Kapitalismus entspringt. In Deutschland ist dieser Trend auch zu beobachten, zum Beispiel besitzen dreimal so viele Lobbyisten Pässe für den Bundestag, sprich sie können ein und ausgehen, wie sie lustig sind, als es Abgeordnete gibt. Zudem ist auch die Frage, was das für eine Demokratie ist, wenn sich Parteien für die Wahlen in der Inhaltslosigkeit verlieren und im Bundestag nur Parteien sitzen, die sich nur minimal widersprechen und als einzige Opposition nur noch die Linke übrig ist, die jedoch auch in großen Teilen systemkonform geht.

Wir können uns also die Frage stellen, ob 1984 als Utopie missverstanden wurde und die einflussreichen Eliten nun darauf drängen die Macht zu verdichten, denn Macht ist Zweck, eine zentrale Erkenntnis aus 1984: einer der Führer der Partei sagt sinngemäß, dass alle totalitären Regime daran scheiterten, dass sie sich selbst nicht eingestanden haben, dass sie eigentlich nur die Macht an sich reißen und halten wollten, dies spielte eventuell auf die Sowjetunion oder Nazi-Deutschland an, bei denen beide für das angeblich größere Wohl arbeiteten.

Das Gefühl, dass wir heute 1984 haben, ist also durchaus berechtigt: die Überwachung, der andauernde Krieg, das schlechte Bildungssystem und der Abbau der Demokratie, alles deutet darauf hin.
Ich persönlich sehe dort aber keine Verschwörung, sondern eine Konsequenz aus dem Kapitalismus, die nur mit extremen Reformen behebbar wäre.

Als Letztes würde ich empfehlen 1984 zu lesen, besonders wegen der Parallelen zur heutigen Zeit.

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