In der Gesellschaft wird seit einigen Jahren die Diskussion um das Urheberrecht erbittert geführt.
Es scheint jedoch so, dass auf der einen Seite Nutzer und Informationsanarchisten stehen und ihre Argumente steif vortragen und auf der anderen die Wirtschaft.
In Deutschland haben wir somit eine sehr abstruse Situation erreicht. Es ist nahezu alles geistige Gut frei erhältlich, während Wirtschaft und Staat sich dagegen stemmen und Strafen androhen.
Es scheint fast so als würden alle für ihr Recht kämpfen und gehört werden, bis auf die Künstler selbst.
Diese stehen machtlos daneben und sehen zu wie eine mit Recht gerüstete GEMA alles vertritt und der Nutzer trotz alledem ohne zu bezahlen ihre Inhalte erhält.

Die Frage nach der Berechtigung

Differenzieren wir.
Es spielt hauptsächlich eine Frage eine Rolle:

Was soll/muss das Ergebnis geistigen Schaffens sein?
Entscheidend für einen Künstler, welcher schafft, ist dass er sich ernähren kann, kann er dies nicht gibt es kein Schaffen.
Das Wörtchen muss ist hierbei von entscheidender Bedeutung. Die Frage muss sich immer im Kontext der aktuellen Begebenheiten gestellt werden. Da wir in einer Zeit leben in der ein Mensch einen Beruf benötigt oder eine andere Quelle des Geldes (für welche er selbst verantwortlich ist, sprich nicht durch den Staat), um überleben zu können (in einem für uns angemessenen Lebensstandard), muss sein Schaffen ihm entsprechend Geld einbringen.

Meistens wünschen sich Künstler auch eine gewisse Aufmerksamkeit, beziehungsweise die Möglichkeit ihre Werke zu verbreiten. Es wird also eine Plattform benötigt.

Wie sich die Zeiten ändern

In den letzten Jahrhunderten haben wir also Methoden entwickelt um entsprechend der Begebenheiten diese Atmosphäre zu schaffen.
Wir fanden also die Begebenheit eines sehr starken Staats vor, welcher durch seine Gewalt seinen Willen aufzwang, es gab, außer in kleinen lokalen Zirkeln, kaum eine Möglichkeit sich dem zu widersetzen. Für den Künstler war es also das einfachste sich eine Agentur zu suchen, welche ihn mit dem Staat im Rücken, vertrat. Somit war gesichert, dass er Geld für seine Kunst erhielt, denn auch damals benötigte der Künstler ein Einkommen, und seine Werke Verbreitung fanden. Der Diebstahl seiner geistigen Ergüsse hätte für den Künstler einen enormen Verlust bedeutet, da dies, außer bei internationalen Künstlern, die Verbreitung, in seinem begrenzten Raum, gespalten hätte.
Durch diese Absicherung konnte ein Künstler, hatte er erst einmal ein Publikum, mit weniger Sorgen an seinen Werken arbeiten.1

In der heutigen Zeit finden wir jedoch andere Begebenheiten vor.

Zum einen haben wir heute eine Art Kollektiv, eine weltumspannende Plattform mit einem endlosen Überangebot an geistigem Schaffwerk. Konkret heißt das, dass der Schutz geistigen Eigentums an sich den Künstler nicht schützen wird Einnahmen zu verlieren, es gibt schlichtweg hunderte, wenn nicht tausende sehr ähnliche Angebote.

Nichtsdestoweniger haben wir für Künstler immer noch die Notwendigkeit sich selbst zu ernähren, deshalb muss zwangsweise jemand dafür zahlen.

Dies ist ein Effekt, welcher die Kunst auf eine Ebene hebt, in welcher die Satisfaktion für die Arbeit an sich in den Vordergrund gerückt wird und nur noch berühmte Künstler überleben könnten, außer jeder bezahlte für den Inhalt, wodurch für jeden Künstler womöglich ein Minimum übrig bliebe.
Doch heutige Strömungen zeigen, dass die infoanarchistischen und kooperativen Ideen eines Kollektivs, welches zusammenarbeitet und die Menschheit voranbringt, in das Kaufverhalten des Internets eingedrungen sind und die Überhand haben.

Wir haben also den Gegensatz der Notwendigkeit Geld zu erhalten auf Seiten der Künstler und den Unwillen der meisten Kunden für diese Inhalte zu bezahlen. Ironischerweise drängen sich hier die Agenturen aus der Zeit vor dem Internet in der Vordergrund und verlangen den Künstlern gefälligst zu bezahlen. Diese Agenturen versuchen mit dem Staat im Rücken und rechtlichen Schritten dies durchzusetzen, mit wenig Erfolg, da die Masse und Überlegenheit der Internetnutzer den Kampf unmöglich zu gewinnen macht. Trotzdem wollen die Agenturen sich als unersetzlich für die Künstler darstellen, wobei heutzutage ihre rechtliche Vormacht gebrochen und ihre Funktion zur Verbreitung denkbar ineffektiv geworden ist, dank der umfassenden Plattform, in Form des Internets.

Dilemma

Was tut man also am besten um aus diesem offensichtlichen Dilemma zu entkommen?

Wir sollten hier nach Darwin gehen und uns den Begebenheiten anpassen, Möglichkeiten dazu wären den Künstlern die Last der Notwendigkeit Geld zu verdienen von den Schultern zu nehmen oder die Inhalte über Wege wie Werbung zu vergüten.2 Auch auf Spenden und Crowdfunding wird zurückgegriffen, wobei sich dadurch ein Künstler durch kleine Zahlungen ernähren kann, während die Masse nur einen geringen Betrag zahlt und sich jeder den Künstler zu unterstützen aussucht, welchen er oder sie für am unterstützenswertesten hält.

Ein Beispiel für eine Veränderung der Bedingungen, welches wir momentan in Echtzeit miterleben, ist die Herstellung handwerklicher Güter. Durch die 3D Drucker werden immer mehr Produkte zu Hause selbst ausgedruckt und somit nur noch der Designer des Produkts benötigt, die Arbeiter für die Herstellung fallen weg. Wir sollten also schon im Vorhinein anfangen uns Lösungen zu überlegen und einen Konsens mit allen Betroffenen finden, sodass wir, wenn es soweit ist, nicht vor einer Massenarbeitslosigkeit stehen.

Was halten Sie für eine gute Lösung bei der Frage um geistiges Eigentum? Oder auch bei der Entwicklung durch 3D Drucker? Wie handhaben Sie dieses Dilemma?


  1. Interessant im Zusammenhang mit den Sorgen eines kognitiv arbeitenden Menschen ist auch, dass Geld eine lähmende wenn nicht sogar kontraproduktive Wirkung auf das Ergebnis hat

  2. Viele Künstler fangen bereits an ihre Inhalte kostenlos zur Verfügung zu stellen und diese selbst auf Seiten mit Werbung zu veröffentlichen so kommen sie dem Kollektiv zuvor und verdienen selbst daran

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