Die Politik und ihre Sprecher sind geprägt vom Wort "alternativlos" (FAZ), dies wurde nicht umsonst unlängst zum Unwort des Jahre gekürt, doch was steckt dahinter?

Peter L. Berger, ein Soziologe, griff den von Satre geprägten Begriff "mauvaise foi" auf: "Mauvaise foi ist, wenn man als notwendig ausgibt, was tatsächlich im eigenen Belieben steht, Flucht vor der Freiheit also, feiges Kneifen vor der "Agonie der Wahl"." (aus "Die Möglichkeit der Freiheit in der Gesellschaft" von Peter L. Berger). Unsere Gesellschaft steckt voller mauvaise foi. Es gibt quasi immer eine Alternative, nur die Konsequenz die daraus zu ziehen wäre, gefällt uns nicht, ist zu komplex oder gefährdet unsere Komfortzone, meist Letzteres. Ein Beispiel das Berger bringt ist der Richter, der, nach dem Gesetz, ein Todesurteil fällen müsste. Er sieht es als alternativlos an, denn was wäre wenn er dieses nicht vollstrecken würde? Er würde seinen Job verlieren und somit seine Existenz gefährden. Dies ist ein Beispiel mit verhältnismäßig großer Auswirkung1, aber ein sehr klares Beisiel. Es ist die Selbsttäuschung, die unsere Gesellschaft am Leben hält. Denn wenn wir uns bewusst werden würden, was es an Alternativen allein im Geld- und Wirtschaftssystem gibt, dann würde das aktuelle nicht mehr lange bestehen.

Mauvaise foi zu erkennen und alleine zu wissen das es existiert und wie es funktioniert ist ein wichtiger Schritt zum voranschreiten. Allein schon mit dem Wissen, dass nicht alles in Stein gemeißelt und somit veränderbar ist, kann man tatsächlich voranschreiten und etwas verändern. Denn wenn ich in Diskussionen die System- bzw. die soziale Frage stelle, wird dies überrascht aufgegriffen und mit "es geht uns doch gut" oder "lass uns es doch in unserem System versuchen" abgetan. Die Angst vor Veränderung und der Wiederholung der Geschichte2 ist dabei das Problem. Es gibt Alternativen abseits des Kapitalismus, Kommunismus, Sozialismus oder Faschismus, man muss sie nur suchen WOLLEN (Beispiel hierfür wäre die ressourcenbasierte Wirtschaft, nach Jacque Fresco).

Die Moral von der Geschichte ist es niemanden die Alternativlosigkeit zu glauben, das eigene Leben und die eigenen Taten auf Mauvaise foi abzuklopfen und die damit verbundenen Möglichkeiten zu nutzen und nicht davor zurückzuschrecken. Des weiteren auch gesellschaftliche Konventionen zu prüfen und gegebenenfalls abzulegen.

Zum Schluss noch ein Zitat von Prince Ea frei übersetzt von mir: "Die Welt findet ein Ende, aber der Weg zu einem Neubeginn startet in dir."


  1. Er, als verfolgter Jude zur NS-Zeit, befasste sich auch mit den KZs, wo mauvaise foi eine große Rolle spielte im Zusammenhang mit Rassismus und der moralischen Rechtfertigung des Mordes an so vielen Menschen.

  2. Interessant ist, dass oftmals bei diesen Fragen immer der Kommunismus oder Sozialismus als ideologischer Hintergrund angenommen wird und somit die Angst vor diesem angesprochen wird, da die DDR und die Sowjetunion schreckliche Ausmaße erreichten. Wie Russel Brand das aber fasste empfinde ich sehr passend. Man sollte schließlich nicht den Fernseher als schuldigen sehen, wenn jemand die Anleitung falsch versteht und er deshalb nicht funktioniert.

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